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Samstag, 8. April 2017

Buchempfehlung: Hans-Ulrich Grimm, "Katzen würden Mäuse kaufen"




Wer in diesem Blog liest, wird öfters auf die Wörter Futterdreck oder Industriefutterdreck stoßen. 

Wir benutzen sie nicht deshalb, weil wir eine Vorliebe für derbe Sprache hätten, sondern weil sie das Industriefutter zutreffend beschreiben. 

Nachlesen kann man das in Hans-Ulrich Grimms "Katzen würde Mäuse kaufen", das seit dem vorigen Jahr in erweiterter und aktualisierter Ausgabe vorliegt. 






Es ist kein Ratgeber zu Katzenernährung, sondern eine weit ausholende - und leider auch oft ab- und ausschweifende - Beschreibung der Zustände in der Branche, die Futter für Heimtiere und "Nutz"-Tiere produziert. Mit Dreck gefüttert werden nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch die Tiere, deren Fleisch, Milch und Eier wir konsumieren. 

"Die Tierfutterbranche hat über all die Jahre, da sie weitgehend unbeobachtet und nach ihren eigenen Gesetzen wursteln konnte, das Gespür dafür verloren, was anständig ist und was anrüchig", schreibt Grimm. 

Wer im Supermarkt oder Heimtierfuttermarkt zu den Dosen und Tüten greift, der kauft - und zwar für teures Geld - Fleischabfälle, Fettabfälle sowie "Häute, Hufe und Hörner, Haare und Pelze, Schweineborsten und Federn, auch Eierschalen". 

(Wobei Eierschalen als Kalziumquelle nicht per se zu beanstanden sind.) 

Eben alles, was entsorgt werden muss. Bei den Rohstoffen "handelt es sich in den meisten Fällen um: Müll. Müll aus allen nur denkbaren Quellen". 

Anders gesagt: "Müllverwertung auf hohem Niveau"

Das ist nicht nur über kurz oder lang gesundheitsschädlich, es ist auch immer wieder akut tödlich. Dioxin und Melamin in Katzen- und Hundefutter sind die spektakulärsten Beispiele. Dazu wäre noch der aktuelle Skandal in den USA mit tödlichen Konzentrationen des Euthanasiemittels Pentobarbital in Hundefutter zu nennen. Übrigens gar kein neues Problem: Das Gift wurde in den USA schon früher in vielen Futterproben gefunden. 

Gelangen eingeschläferte oder sonstwie zu Tode gekommene Katzen und Hunde tatsächlich ins Futter für den eigenen Vierbeiner, oder ist das nur ein Gerücht? Mindestens einmal wurde Genmaterial von Hunden auch in Europa bei einem Rohstofflieferanten festgestellt (2013 in Spanien). Der Betrieb war schon zuvor mit Gesetzesverstößen aufgefallen, für die er mit ganzen 1500 Euro hatte büßen müssen. Eine direkte Ermunterung, weiterzumachen wie bisher.

Wer immer noch glaubt, dass man Katzen ruhig mit Trockenfutter "ernähren" kann, kann sich ab Seite 155 über das "Kohlenhydrat-Debakel" aufklären lassen. Und dann weiterlesen, wie der Abfall in den Tüten und Dosen mit Aromen aufgepeppt wird oder warum Soja alles andere als gesund ist, aber nach EU-Futtermittelrecht nicht einmal auf dem Etikett stehen muss.  

Warum aber haben wir in der Tierfutterbranche derart üble Zustände? Weil der Staat ungenügend reguliert und kontrolliert und den Unternehmen im Grunde freie Hand lässt.

Doch nicht nur deshalb. Und so kommen wir zu dem Kapitel in Grimms Buch, das uns schon in der ersten Ausgabe am besten gefallen hat, nämlich das Kapitel über die innige Verbindung zwischen Futterkonzernen, Tierernährungskunde und Tierärzteschaft ("Papageien und Knechte", Seite 171 ff.).

Unabhängige Forschung zu Tierernährung finde nicht statt, stellt der Autor fest. Was an Forschung zu Haustierernährung veröffentlicht wird, stammt meist von Herstellern. Lehrbücher oder Handbücher für Tierärzte/innen werden im Auftrag von Mars, Iams und Co. verfasst und verbreitet. "Selbst die Universitäten machen sich die Anliegen und Botschaften der Futterkonzerne zu eigen." Kein anderes Fach habe sich derart in Abhängigkeit von den Konzernen begeben wie die Fressnapf-Fakultät, in keinem anderen seien die wissenschaftlichen Aussagen so industriefromm wie hier. 

So fügt sich alles aufs schönste zu einer Win-win-win-Situation: Die Hersteller bekommen für ihren Dreck den Segen der Wissenschaft, die Hochschulveterinäre verschaffen sich zusätzliche Einkünfte und Forschungsmittel, und die praktischen Tierärzte verdienen auskömmlich an Krankheiten, die mit artgerechter Ernährung gar nicht erst entstanden wären.

Fazit: ein lesenswertes, sehr informatives Buch. 

Das aber besser sein könnte, wenn es stärker auf sein Thema konzentriert wäre. Und: Nervig die Unsitte des Autors, immer wieder Hinweise auf seine anderen Bücher einzustreuen ("Siehe Hans-Ulrich Grimm, XYZ", "siehe Hans-Ulrich Grimm, YZX", "siehe Hans-Ulrich Grimm, ZXY"). 

Hans-Ulrich Grimm, "Katzen würden Mäuse kaufen". Erweiterte und aktualisierte Ausgabe, München 2016, Verlag Droemer Knaur, Taschenbuch, 315 Seiten, 9,90 Euro



©trockenfutter-katzen.blogspot.de/











Zum Wochenende: Streuobstwiesen





Sehr schöner Arte-Film über das vielfältige Leben in den Streuobstwiesen. 

Nicht nur Eichhörnchen, auch Kleiber betreiben Vorratshaltung. 

Das Kontrastprogramm zur Vorgartenödnis der Städte, wo Tiere nicht mehr existieren können, weil's nur noch Rasen, Koniferen und Kirschlorbeer gibt. 


Donnerstag, 23. März 2017

OT: Basilikum mit Walnuss




Unser Gelegenheitsbesucher mit dem hübschen Schwänzchen taucht in den letzten Tagen häufiger auf. Man weiß, hier gibt es immer was zu essen. 



Im noch winterkahlen Ahorn beim Verzehren einer Walnuss.                                                                       Fotos: MP



Heute hatte man keine Zeit, Nüsse fortzutragen. Also schnell aufs Geländer gehüpft und die Beute versteckt. Und zwar hier:   








PS: Am heutigen Montag (10. April) hat man seine Walnuss abgeholt. 



Freitag, 10. März 2017

Montag, 6. März 2017

Spricht sich die Botschaft herum?



Die US-Vereinigung für die Verhütung der Fettleibigkeit bei Haustieren (Association for Pet Obesity Prevention, APOP) hat Ergebnisse einer Erhebung für das Jahr 2016 vorgelegt. 

Demnach sind 53,9 Prozent der Hunde und 58,9 Prozent der Katzen übergewichtig oder adipös. 

Im Vergleich zu 2015 sind es 0,1 Prozentpunkte mehr bei Hunden und 0,7 Prozentpunkte mehr bei Katzen.

Soweit keine aufregend neuen Zahlen. 

***

Aber ganz nett, was die APOP außerdem ermittelt hat:

61 Prozent der befragten Tierhalter/innen waren der Meinung, dass Futter mit wenig oder gar keinem Getreide-Anteil gesünder ist für Hunde.

Von den befragten Tierärzten/innen nur 25 Prozent. 

35 Prozent der befragten Tierhalter/innen waren der Meinung, dass Rohernährung gesünder ist für Katzen und Hunde. 

Von den befragten Tierärzten/innen nur 15 Prozent. 

43 Prozent der befragten Tierhalter/innen waren der Meinung, dass Bio-Haustierfutter gesünder ist als Nicht-Bio. 

Von den befragten Tierärzten/innen immerhin auch 33 Prozent.

73 Prozent der Tierhalter/innen waren der Meinung, dass Mais nicht gesund ist für Hunde. 

Von den befragten Tierärzten fanden hingegen 48 Prozent, dass Mais gesund ist für Hunde. 


***

Beim Thema Futterqualität liegen die Ansichten von Tierhaltern/innen und Tierärzten/innen doch ziemlich weit auseinander

Und das ist eine gute Nachricht.



PS: Die Zahlen zu Übergewicht und Adipositas sind wahrscheinlich nicht besonders tragfähig, sie basieren auf der Beurteilung von nur 1224 Hunden und 682 Katzen in 187 Tierarztpraxen. Laut APOP gibt es in den USA rund 42 Millionen Hunde und gut 50 Millionen Katzen. - Wie viele Tierhalter/innen zur Futterqualität befragt wurden, wurde nicht angegeben.

PPS: Natürlich kratzen die Fragen, die erhoben wurden, nur an der Oberfläche. Getreidefrei ist nicht per se besser, wenn das Futter trotzdem Stärke enthält (aus Erbsen oder sonstwas). Und Bio ist genauso schlecht wie Nicht-Bio, wenn das Protein aus zermahlenen Bio-Hühnerfedern, Bio-Tierklauen oder Bio-Tierhäuten und das Fett aus altem Bio-Speiseöl etc. pp. stammt. 

PPPS: Wie viele Tierhalter/innen in Deutschland würden Rohernährung gesünder finden als Industriefutter? Vermutlich wäre die Quote geringer als in den Staaten. Und: Dass die Leute Rohernährung für gesünder halten, heißt nicht unbedingt, dass sie ihre Tiere tatsächlich so ernähren. 




©trockenfutter-katzen.blogspot.de/


Samstag, 25. Februar 2017

Lektüre fürs Wochenende




Auf der Netzfrauen-Website steht ein ganz informativer Bericht über das schamlose und hochprofitable Geschäft mit dem Industriefutter für Katzen und Hunde.

Es geht darum, wie überteuert das Zeug ist, was drin ist, usw., usf. Mit gebührender Würdigung der Marketingstrategien der Hersteller.

***

Was da noch zu ergänzen wäre, ist der jüngste Futterskandal in den USA: Hundefutter von Evanger's (Markennamen Evanger's und Against the Grain) war/ist mit Pentobarbital verseucht, also mit dem Euthanasiemittel. 

Fünf Hunde schwer erkrankt, einer gestorben. (Mindestens.)

Evanger's scheint überhaupt ein ziemlich fragwürdiges Unternehmen zu sein. 

Offenbar wird (oder wurde jedenfalls) Futter von diesem Hersteller auch in Deutschland verkauft.


PS: Inzwischen (6. März) haben sich noch mehr Hundehalter gemeldet; die zuständige US-Behörde FDA hat zehn weitere Beschwerden erhalten, fünf der betroffenen Hunde haben laut FDA "dokumentierte" Symptome, die einer Pentobarbital-Vergiftung entsprechen. 

Evanger's hat daraufhin seinen Futter-Rückruf ausgeweitet, wie üblich am Wochenende, "out of an abundance of caution" ("aus Übervorsicht").


PPS: Warum nur denken so viele Leute, dass Industriefutter aus den USA besser ist als der Dreck, der in Europa produziert wird? Weil die Markennamen irgendwie schicker klingen? "Against the Grain" - schönes Wortspiel, aber doch der gleiche Dreck wie das andere Zeug aus den Bottichen der Abfallverwerter.